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Rede von Bürgermeister Arnim Roß zur Ortskernentwicklung Oberkaufungen

Arnim Roß, Bürgermeister
Kaufungen auf den Weg bringen
Rede vor der Gemeindevertretungzur Vorstellung des konzeptionellen Berichtes zur Entwicklung und Stärkung des Ortskerns von Oberkaufungen
am 03. Februar 2011

Einleitung

Herr Vorsitzender,meine Damen und Herren,

die Frage des Standortes für einen Lebensmitteleinzelhandelsmarkt im Ortsteil Oberkaufungen ist seit Jahren das beherrschende Thema der Entwicklungsplanung und bisweilen der Gemeindepolitik. Die Gründe hierfür sind vielfältig. Insbesondere spielen aber ein Mangel an geeigneten zentrumsnahen Standorten sowie eine seit Jahren vernachlässigte Gesamtentwicklungsplanung eine Rolle. Wie die Standortfrage finden sich noch mehrere (kleinere) Entwicklungsprojekte, z.B. der Hofgarten, den wir als Tagesordnungspunkt noch haben, in der Sackgasse. Auch die Möglichkeiten, die sich aus dem Förderprogramm Stadtumbau in Hessen, in das die Gemeinde mit dem Stadtumbaugebiet in Oberkaufungen aufgenommen ist, ergeben, sind bisher weitgehend ungenutzt. Ich habe nach meiner Amtseinführung und einer ersten Orientierung inzwischen mit den Vorbereitung zur Arbeit an und mit dem Handlungskonzept begonnen. Die unerledigten Aufgaben der Ortsentwicklung erstrecken sich von den nur ansatzweise aufgearbeiteten Folgen des demografischen Wandels über Gebäudeleerstände bis zu mangelnden Konzepten zur Infrastrukturentwicklung und zum Flächenmanagement, um nur einige zu nennen.

Die Ansiedlung eines Lebensmittelmarktes, die Entscheidung über den Standort hat Folgen für die Gemeindeentwicklung. Sie stößt Prozesse an, die erwünscht oder unerwünscht sein können und die darum bedacht werden müssen. Sie ist keine Entscheidung zwischen Edeka und Rewe, sondern zwischen zwei ganz unterschiedlichen Standorten mit unterschiedlichen Folgewirkungen. Insofern geht es hier um weit mehr als um die Entscheidung, wo man sich den Markt am besten vorstellen kann und welche Kosten man dafür für angemessen hält. Vielmehr muss die Entscheidung vor dem Hintergrund entwicklungspolitischer und strukturpolitischer Zielsetzungen erfolgen und in Einklang mit den ökonomischen Möglichkeiten der Gemeinde stehen, wenn man keine unbeabsichtigten Ergebnisse erzielen möchte.

Ziel und Aufgabe des Berichtes

Es geht um die Beurteilung zweier Standorte für die Ansiedlung eines Lebensmittelmarktes auf Machbarkeit und die Folgen für die Ortsteilentwicklung in Oberkaufungen. Wertfrei sollen die Vor- und Nachteile beider Standorte dargestellt werden. Bei der Ausarbeitung und der Darstellung spielten und spielen Sachlichkeit und Genauigkeit eine große Rolle. Es werden Vorschläge unterbreitet und die Kosten aufgelistet. Die Kostenzusammenstellungen geschehen aufgrund der vorliegenden Gutachten und Kostenschätzungen, die kritisch geprüft wurden.

Maßgeblich für die Kostenzusammenstellungen bezüglich der Verlagerung von Einrichtungen war stets das Kriterium des gleichwertigen Neubaus. Wir gehen grundsätzlich davon aus, dass alle Einrichtungen ausreichend ausgestattet sind, um ihre Aufgaben zu erfüllen. Insofern besteht keine Notwendigkeit, Einrichtungen im Zuge einer eventuellen Verlagerung zu vergrößern. So wurden stets die bestehenden Flächen den Berechnungen zugrunde gelegt. Dennoch ergeben sich allein durch die Verlagerung vielfach Vorteile für Einrichtungen. Sie sind bei den Einzeldarstellungen im Bericht aufgeführt.

Im Kontext der Gesamtentwicklung

Meine Damen und Herren,die vordringliche Aufgabe des Berichtes ist die Verortung der Standortentscheidung im Kontext der Gesamtentwicklungsplanung und deren Zielsetzungen. Dabei wird die Komplexität des Sachverhaltes deutlich. Dieser lässt sich nicht auf wenige einfache Thesen reduzieren, was die Entscheidungsfindung nicht einfach macht.

Vor 25 Jahren wurde in Kaufungen mit einer strukturierten Gesamtentwicklungsplanung begonnen. Nicht von ungefähr stand am Anfang des Prozesses die Abkehr von den Zielen der Gründung einer neuen Ortsmitte mit großem Einkaufszentrum und die Hinwendung zu dem Grundsatz der Stärkung der alten Ortskerne von Ober- und Niederkaufungen. Dieser Grundsatz ist seitdem stets handlungsleitend für die Verwaltung, den Gemeindevorstand und die Gemeindevertretung gewesen. Davon ausgehend wurde in dieser Zeit mit dem Aufbau einer strukturierten Planungsarbeit begonnen, die bal in den ersten Gemeindeentwicklungsplan mündete. Dessen letzte Fortschreibung „Problemstellung 2001“ wurde in Teilen durch politische Entscheidungen vollzogen, jedoch nie beschlossen. Die strukturierte Arbeit an der Gesamtentwicklungsplanung trat in den letzten Jahren in den Hintergrund. Für die weitere Entwicklung der Gemeinde Kaufungen wird jedoch eine Fortsetzung dieses Prozesses notwendig.

Denn für die Gemeindeentwicklung stehen grundsätzliche Richtungsentscheidungen an. Die Voraussetzungen der Planungen haben sich geändert. Der demografische Wandel und die veränderten ökonomischen Rahmenbedingungen lassen hinsichtlich der Bevölkerungszahl und der verfügbaren finanziellen Mittel zukünftig weniger Wachstum erwarten. Daher müssen wir die Ziele der Entwicklung neu justieren.

Neben der Stärkung der alten Ortskerne wird als Planungs- und Entscheidungskriterium die Frage der zukünftigen Siedlungsentwicklung vor dem Hintergrund des demografischen Wandels eine große Rolle spielen. Die Veränderungen unserer Bevölkerungsstruktur und das Sinken der Gesamtbevölkerung führen uns zu einer moderaten Siedlungsentwicklung. Das Ziel sollte der Erhalt des Status quo sein, d.h. durch moderaten Zuzug sowohl die Einwohnerzahl als auch die altersmäßige Einwohnerstruktur sicher zu stellen. Dafür sind unsere bestehenden Infrastruktureinrichtungen ausgelegt. Wir können ihre Auslastung und damit den Bestand dauerhaft sichern.

Für eine moderate Entwicklung in diesem Sinne kommen kurzfristig insbesondere die freien Flächen um den Kreisel in der Ortsmitte als Entwicklungsflächen in Betracht. Sie sind geeignet und befinden sich zudem bereits im Besitz der Gemeinde. Ihre Entwicklung würde sich in den kommenden 10 Jahren auch finanziell positiv für die Gemeinde auswirken durch Grundstücksverkäufe und wachsende Steuereinnahmen in der Folge des Bevölkerungszuwachses.

Meine Damen und Herren,
das Gegenstück zu diesen Siedlungsgrundsätzen ist eine auf Expansion ausgerichtete Siedlungsentwicklung. Sie würde die kurzfristige großzügige Erschließung eines Bebauungsgebietes erfordern, wie es z.B. das Gebiet Stolläcker wäre. Dessen Flächen müssten wir größtenteils noch erwerben. Eine expansive Siedlungspolitik würde zudem die bestehende gemeindliche Infrastruktur überfordern. Wir müssten sie ausbauen und die entsprechenden größeren Investitionen tätigen. Und diese wiederum müssten wir bei knapperen finanziellen Mitteln natürlich zuerst erwirtschaften. So gesehen, scheidet diese Überlegung kurzfristig aus meiner Sicht aus. Das Gebiet Stolläcker ist vielmehr als mittelfristiges Entwicklungspotenzial anzusehen, um das wir uns bemühen können, wenn der Bedarf entsteht.

Standortvariante Sandweg

Meine Damen und Herren,
vor diesem Hintergrund ist die Standortvariante Sandweg zu betrachten. Bei dieser Variante geht es darum, auf den Grundstücken des ehemaligen Sägewerks Riffer am Sandweg, die die Gemeinde in 2007 im Rahmen der Bodenbevorratung gekauft hat, einen Lebensmittelmarkt mit 2.000 m² Verkaufsfläche zu errichten (zum Vergleich: der jetzige Edekamarkt ist 750 m² groß, der Rewemarkt im Handelshof 1.200 m²). Hierfür bewirbt sich die Firma Edeka.

Für dieses Modell wurde ein entsprechender Bebauungsplan, der B-Plan Bunte Mühle, entwickelt. Dieser Bebauungsplanentwurf ist aus dem Jahr 2008 aus der Zeit vor der Wirtschaftskrise. Damals gab es keine klaren siedlungspolitischen Zielsetzungen wie wir sie heute zu formulieren beginnen und inzwischen haben sich die demografischen und ökonomischen Rahmenbedingungen der Gemeinde nicht zuletzt im Zuge der Wirtschaftskrise deutlich verändert. Dies ist zu berücksichtigen und kann in dem Bericht nachgelesen werden. Ich will zwei wichtige Aspekte aufgreifen:

Aus heutiger Sicht muss festgestellt werden, dass es ein Grundstück in Ortsrandlage ist und ein Markt in der genannten Größe dann ökonomisch sinnvoll wäre, wenn offensiv eine Nachverdichtung des Umfeldes durch die Bebauung der Stolläcker angestrebt würde und zudem der Bau der Ortsumgehung Kreisstrasse 6 durch Gemeinde und Landkreis nachdrücklich verfolgt würde.

Meine Damen und Herren,
dies sollten jedoch, und das ist schon immer meine Position, nicht die vorrangigen Entwicklungsziele der Gemeinde Kaufungen sein. Und wir könnten, das habe ich bereits beschrieben, eine solche expansive Entwicklung unter den heutigen finanziellen Verhältnissen auch nicht mehr bezahlen. Nicht die zusätzliche Infrastruktur und auch nicht die K6, die der Landkreis auf absehbare längere Zeit nicht bauen wird und die wir, wenn wir sie haben wollten, vorfinanzieren müssten. Und daher ist meines Erachtens aus der Sicht der Gemeinde ein Markt in dieser Größenordnung an der Stelle nicht zwingend notwendig.

Das spricht zweifellos nicht grundsätzlich gegen den Standort. Es zeigt aber, dass heute, drei Jahre nach der Bankenkrise, der Bebauungsplan nicht so beschlussreif ist, wie immer behauptet wird, sondern dass er im Zusammenhang der beginnenden Gesamtentwicklungsplanung einer Erörterung bedarf.

Ein weiterer Aspekt ist die Zukunft der sogenannten Riffer-Villa. Über deren Abriss oder Fortbestand wurde viel diskutiert und es ist bis heute nicht entschieden. Vieles spricht dafür, sie zu erhalten. Unabhängig von der Standortfrage Lebensmittelmarkt gibt es genügend Bedarfe und Möglichkeiten der Nutzung für gemeindliche Zwecke. Vor allem halten ich und viele andere sie nach wie vor für einen guten Ort für das Jugendzentrum, das schon lange aus den Räumen im Kellergeschoss ausziehen möchte und vor allem ein Außengelände benötigt. Der Erhalt der Riffer-Villa wäre mit dem Marktgebäude auf dem Grundstück zu vereinbaren.

Alle Aspekte, die genannten und die im Bericht zusätzlich angeführten, wären sicher lösbar. Insofern bietet die Variante Sandweg durchaus die Möglichkeit der Ansiedlung eines adäquaten modernen Lebensmittelmarktes. Eine Stärkung des Ortskerns von Oberkaufungen ginge aufgrund der Lage von diesem Markt jedoch nicht aus.

Sanierung des Bürgersaales und Saalneubau in der Gesamtschule

Meine Damen und Herren,
die Variante Sandweg wird häufig kombiniert mit der Sanierung des Bürgersaales obwohl die Sanierung keine zwingende Folge eines Marktes auf dem Riffergelände wäre. Für die Sanierung liegen eine hohe Fördermittelzusage sowie Pläne vor, die allerdings noch eines abschließenden Beschlusses der Gemeindevertretung bedürfen.

Auch hier gilt der Hinweis, die Folgen der Wirtschaftskrise zu beachten. Denn trotz hoher Förderung von 1,2 Millionen Euro müsste die Gemeinde immer noch eine runde Million Euro investieren. Und betrachtet man die jährlichen Folgekosten einmal ohne die fiktiven und nicht sicheren Einnahmen aus der Vermietung des sanierten Saales, so ergibt sich eine jährliche Zusatzbelastung von ca. 115.000 Euro. Vor diesem Hintergrund muss das Raumprogramm, das der Sanierung zugrunde liegt, hinterfragt werden.

Denn gleichzeitig entsteht im Neubau der Gesamtschule ein Saal in Trägerschaft des Landkreises in der Größe unseres heutigen Bürgersaales mit modernster Technik. Das Saalgebäude entspricht den Vorstellungen der Gemeinde. Die Durchführung von Großveranstaltungen ist grundsätzlich möglich und der Saal ist konzertgeeignet (Verdunklung, Beschallung, Beleuchtung). Es besteht die Möglichkeit der gemeinsamen Nutzung dieses Saales durch Schule und Gemeinde. Zeitliche Nutzungskonflikte würden weitgehend nicht entstehen bzw. wären im Einzelfall organisierbar.

Die gemeinsame Nutzung einer Einrichtung durch zwei öffentliche Träger garantiert beste Auslastung der Einrichtung und damit den effektivsten Einsatz der öffentlichen Mittel. Dies ist nicht zuletzt in Zeiten knapper werdender öffentlicher Ressourcen ein moderner und innovativer Ansatz. Die Umsetzung der Sanierung des bestehenden Bürgerhauses nach den vorliegenden Plänen würde hingegen den parallelen Bestand zweier ähnlicher Einrichtungen in der Gemeinde bedeuten, wobei beide nur halb so gut ausgelastet wären.

Standortvariante Niester Straße

Meine Damen und Herren,
auch der Standort Niester Straße bietet die Möglichkeit der Ansiedlung eines adäquaten, modernen, leistungsfähigen Lebensmittelmarktes. Dieser Markt würde durch die zentrale Lage direkt zur Ortskernstärkung beitragen. Allerdings verursacht diese Variante durch Verlagerungen von Einrichtungen höhere Investitions- und Folgekosten. Wir haben für alle zu verlagernden Einrichtungen Möglichkeiten der Verlagerung aufgezeigt. Die Verlagerungen bieten bei gleicher Größe am neuen Standort und unter Beibehaltung der Ausstattungen für alle Einrichtungen Verbesserungs- und Weiterentwicklungspotenziale.

Alle Lösungsvorschläge müssten im Falle der Umsetzung nicht so zum Tragen kommen, wie im Bericht dargestellt. Sie zeigen aber die Machbarkeit der Standortvariante Niester Straße auf. Für den Umsetzungsfall wäre dann ein systematischer Planungsprozess anzustreben, an dem die jeweils Betroffenen zu beteiligen sind. Frühzeitiger Einbezug der Betroffenen gewährleistet die besten Lösungen und damit die höchste Akzeptanz. Gleichwohl sollte im Umsetzungsfall die Ansiedlung des Marktes von dem Grundsatz und Ziel geleitet sein, so viel alte Bausubstanz und so viele Einrichtungen wie möglich auf dem Bürgerhausareal zu erhalten. Dies ist nicht ohne weiteres mit den Interessen von potenziellen Marktbetreibern vereinbar. Aber es ist auch nicht undenkbar, würde weitere Kosten senken und vielen Interessen entsprechen.

Meine Damen und Herren,
auch die Standortvariante Niester Straße erfährt vor dem Hintergrund des neuen großen Saales in der Gesamtschule eine doppelte Betrachtung: einmal mit Neubau des Bürgersaales und einmal mit gemeinsamer Nutzung des Saales des Landkreises in der Gesamtschule.

Im Falle des Neubaus des Bürgersaales würde ich auf jeden Fall den alleinstehenden Neubau der Huckepack-Lösung vorziehen. Die Huckepack-Lösung hätte viele Nachteile, ein Neubau, den man sinnvollerweise am Kreisel gegenüber der Feuerwehr auf gemeindeeigenem Grundstück machen würde, hätte viele Vorteile. Es entstünde ein moderner Bürgersaal in der Mitte von Kaufungen, gleichermaßen gut erreichbar für Ober- und Niederkaufunger Bürgerinnen und Bürger, technisch, energetisch und von der Raumaufteilung her auf dem neuesten Stand und auf die heutigen Bedürfnisse zugeschnitten. Zudem hätte er einen Straßenbahnanschluss, was die Vermarktungssituation sicher erleichtern würde. Allerdings würde dieser Neubau Investitionskosten von nahezu 5,7 bis 6,3 Millionen Euro bedeuten und zöge mit 284.000 bis 300.000 Euro erhebliche jährliche Folgekosten nach sich.

Daher wurde die Standortvariante Niester Straße auch mit der gemeinsamen Nutzung des Saales in der Gesamtschule betrachtet bei zumindest vorläufigem Verzicht auf einen Saalneubau. Und damit wird eine neue Variante vorgelegt, die vielschichtige Kriterien an moderne Planung und Entwicklung erfüllt. Finanziell kann diese Variante mit Investitionskosten je nach konkreter Ausführung zwischen 3 und 3,5 Millionen Euro und jährlichen Folgekosten je nach Ausführung zwischen 145.000 und 167.000 Euro auch gegenüber der Saalsanierung bestehen. Die Vorteile und Synergieeffekte der gemeinsamen Saalnutzung habe ich bereits beschrieben. Neben der gemeinsamen Gemeinde- und Schulbücherei, der gemeinsamen Nutzung der Kreis- und der Gemeindesporthalle (Lossetalhalle) und der anvisierten Einrichtung eines Jugendraumes in der neu gebauten Gesamtschule wäre dies ein weiterer Beitrag zur engen Kooperation von Landkreis und Gemeinde.

Darüber hinaus bliebe die Option auf einen späteren Bau eines neuen Bürgersaales für die Gemeinde erhalten, wenn der Bedarf entsteht und die Mittel verfügbar sind. Hierfür könnte auch bei der Entwicklung der Flächen rund um den Kreisel für Wohnbebauung ein ausreichend großes Grundstück reserviert bleiben.

Dieser Weg ist auch von der Entwicklung des erfolgreichen und in seinen den Gründungsjahren, den frühen 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts, sehr innovativen Bürgerhauskonzeptes her plausibel. Die Einrichtungen, die damals im Bürgerhaus zentral zusammengefasst wurden, spielen in der modernen Gemeinde von heute noch immer eine große Rolle, insofern hat das Konzept seine Zukunftsfähigkeit bewiesen. Allerdings haben sich die Einzeleinrichtungen weiterentwickelt, teilweise vergrößert und weitgehend im Gemeindegebiet dezentralisiert, wie z.B. die Feuerwehr und die Sozialstation als klassische Anfangsbestandteile des Bürgerhauses. Dies ist nicht zuletzt eine Entwicklung, die durch die Gründung der Großgemeinde Kaufungen in 1970 hervorgerufen wurde. Unter dem Bürgerhaus wird heutzutage im Wesentlichen der Bürgersaal verstanden.

Bewertung und Vorzugsvariante

Meine Damen und Herren,
wir haben gezeigt, dass beide Standorte für einen Lebensmittelmarkt entwickelt werden können. Welcher Variante der Vorzug gegeben wird, ist eine entwicklungs- und strukturpolitische Entscheidung der Gemeindevertretung.

Dem seit 25 Jahren verfolgten und bis heute gültigen Ziel der Stärkung der alten Ortskerne wird die Variante Niester Straße gerecht.

Bezüglich der Finanzierbarkeit gilt für alle drei Varianten, dass die Folgekosten nur bei einer Verbesserung der Finanzlage der Gemeinde darstellbar sind. Dies gilt auch für die Sanierung des Saales, deren Folgekosten nur bei Realisierung der erhofften Einnahmen aus der Saalvermietung als gering einzustufen sind. Diese Einnahmen sind bisher aber eher fiktiv und keineswegs gesichert.

Vorhin bei den Haushaltsberatungen haben wir das Finanzziel beschlossen, für 2013 einen ausgeglichenen Haushalt zu erreichen, aber maximal eine Deckungslücke in Höhe der für 2012 prognostizierten. Ich habe das bildlich und nicht ganz zutreffend Begrenzung der Nettoneuverschuldung genannt in Anlehnung an die Haushaltsberatungen des Bundes. Für alle drei Varianten gilt, dass sich die daraus resultierenden Mehrbelastungen diesem Ziel unterordnen müssen.

Vor diesem Hintergrund können wir feststellen, dass die Variante Sandweg von den finanziellen Auswirkungen her am günstigsten ist.

Die Variante Niester Straße mit Neubau eines Bürgersaales ist zur Zeit für die Gemeinde nicht finanzierbar, weder bei den Investitionskosten noch bei den jährlichen Folgekosten.

Die Variante Niester Straße mit gemeinsamer Nutzung des Saales in der Gesamtschule erfüllt hingegen beide Kriterien. Sie dient der Ortskernstärkung und ist finanziell unter den oben gemachten Einschränkungen handhabbar. Und es liegt nur in der Logik und Folgerichtigkeit meiner bisherigen Politik in den vergangenen 10 Jahren wenn ich sage, dass ich diese Variante daher bevorzuge.

Gemeindeziele und Investoren-/Betreiberperspektiven

Meine Damen und Herren,
zu erörtern wäre noch die häufig gestellte Frage nach dem Marktbetreiber bzw. Investor. Zunächst können wir festhalten, dass mit der Firma Edeka und der IPC Vermögensanlagen GmbH aus Eschwege des Herrn Jantz für jeden Standort ein Interessent zur Verfügung steht. Die Bewerber für die Standorte sind bisher nicht reich gesät.

Allerdings kann die Frage der Interessenten auch nicht ausschließlich entscheidungsleitend für uns als Gemeinde sein.

Investoren und Marktbetreiber haben ihre berechtigten Eigeninteressen. Sie haben Unternehmen und Betriebsstätten zu führen, tragen Verantwortung für viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, wollen gute Geschäfte und Gewinne machen und zahlen Steuern. Sie sind daher in ihrem Wettbewerb sehr aufeinander orientiert, mehr als auf die Gemeinde. Das ist gut so.

Das kann aber nicht die Perspektive der Gemeinde sein. Unsere Perspektive ist das Wohl und die positive Entwicklung des Gesamten. Das gilt auch für die Frage des Standortes eines Lebensmittelmarktes. Denn, das habe ich ausgeführt, das ist keine Frage des persönlichen Gefallens, sondern der Orientierung an entwicklungspolitischen Zielen der Gemeinde unter der Maßgabe der Finanzierbarkeit, auch dazu habe ich die entsprechenden Ausführungen gemacht.

Ausblick

Mit der Standortentscheidung einher geht also auch eine Zielbestimmung über die zukünftige Entwicklung Kaufungens. Das müssen wir uns klar machen und da dürfen Sie als Abgeordnete auch durchaus selbstbewusst sein, wenn Sie das gründlich machen. Dieser Sachverhalt ist nun mal nicht auf drei bis vier einfache Sätze reduzierbar. Dennoch ist auch klar, und das ist nach allen Beschäftigungen mit dem Thema meine feste Überzeugung, dass keiner der Standorte die Gemeinde ruinieren würde.

Insofern erwarte ich für die weiteren Beratungen von allen rationale und sachliche Diskussionen statt emotionaler Streitgespräche und unangebrachter Vereinfachungen. Parteiübergreifend sollte ein Kriterienkatalog für die Bewertung erstellt werden. Der Diskussion in den Fraktionen sollte eine Bürgerversammlung zu dem Thema folgen bevor dann im Parlament entschieden wird.

Mit diesem Bericht ist die geforderte Entscheidungsgrundlage geliefert worden. Nun sollten auch die Beratungs- und Entscheidungsprozesse nicht übereilt, aber zielstrebig und angemessen gestaltet werden.

Meine Damen und Herren,
die Gesamtentwicklungsplanung für Kaufungen ist mit diesem Bericht und den nachfolgenden Beratungen und Entscheidungen nicht am Ende, sondern vielmehr am Anfang. Der Bericht soll im Sinne seines Titels „Kaufungen auf den Weg bringen“ der Ausganspunkt für umfassende und konstruktive zukünftige Beratungen zur Gesamtentwicklung unserer Gemeinde sein. Ich habe Ihnen heute ein Entwicklungsband vom Ortszentrum Oberkaufungen über das Gebiet Bunte Mühle bis zum Kreisel aufgezeigt. Neben vielen anderen Themen wird uns in der Fortsetzung der heutigen Nahversorgungsdebatte in Oberkaufungen morgen die Frage der Nahversorgung in der neuen Ortsmitte mit dem Nahversorgungsstandort am Hessenring, dessen Zukunft ungeklärt ist, beschäftigen. Bei all dem wird eine strukturierte und sachliche Planungsarbeit wesentlich zum Finden intelligenter Gestaltungswege und einer auch weiterhin guten Entwicklung der Gemeinde beitragen.

Vielen Dank.

 

Zum konzeptionellen Bericht "Kaufungen auf den Weg bringen"