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Gemeinde Kaufungen spricht sich gegen »Fracking« aus - Bürgermeister Roß: »Es ist ein zu hohes Risiko«

„Die Gemeinde Kaufungen spricht sich entschieden gegen „Fracking“ im Gemeindegebiet aus“, positioniert sich Bürgermeister Arnim Roß angesichts der aktuellen Diskussionen rund um die Erkundung von Schiefergas in Nordhessen.   

Grund für diese Stellungnahme ist ein Antrag der Firma BNK Deutschland, ein Tochterunternehmen des kanadischen Bergbaukonzerns BNK Petroleum Inc., zum Aufsuchen und Erkunden von Kohlenwasserstoffen zu gewerblichen Zwecken, der beim Darmstädter Regierungspräsidium eingegangen ist. „Da es sich bei diesem Antrag um das höchst umstrittene Fracking-Verfahren handelt, sind wir als beteiligte Gemeinde besonders sensibilisiert“, so Roß weiter: „Wir fordern daher alle Behörden, die für das Genehmigungsverfahren zuständig sind, und insbesondere die hessische Landesregierung auf, keine Genehmigungen für die Fracking-Erdgasförderung in Nordhessen zu erteilen.“ 

Mit dieser klaren Positionierung gegen das geologische Tiefbohrverfahren steht die Gemeinde Kaufungen nicht allein da: Viele Städte und Kommunen üben großen Widerstand gegen die Suche und die unkonventionelle Förderung des Erdgases in der Region. Der Kreistag des Landkreises Kassel und die Bürgermeisterkreisversammlung lehnen die unkonventionelle Förderung des Erdgases ab. Der Kaufunger Gemeindevorstand hat bereits mit Beschluss vom 16. Juli dieses Jahres das Fracking abgelehnt, berichtet Bürgermeister Roß. Zuvor hatte der Bürgermeister in der letzten Parlamentssitzung vor der Sommerpause die Gemeindevertretung informiert. In einer eigens einberufenen Sondersitzung des ständigen Arbeitskreises der Bauamtsleiter im Landkreis Kassel sprachen sich auch die Amtsleiter gegen die Fracking-Methode aus. Immer wieder wird in allen Stellungnahmen darauf hingewiesen, dass die Förderung des Erdgases aus unkonventionellen Lagerstätten nicht mit den Kriterien der Energiewende und des Klimaschutzes vereinbar sei.  

Das sieht auch Bürgermeister Roß so: „Kaufungen ist auf dem Weg zu einer CO2-neutralen Gemeinde, da passt die umweltgefährdende Erdgasförderung nicht in das Konzept für den Klimaschutz“. Zudem sei die Fracking-Methode nicht nur für die Umwelt, sondern auch für das Trinkwasser eine große Gefährdung. „Grundsätzlich sind die eingesetzten Frackingstoffe, egal ob in große Tiefen eingebracht oder beim Lagern und Transportieren, wassergefährdent“, informiert Roß. Für Kaufungen hat die Wasserversorgung höchste Priorität und ist eine elementare Daseinsvorsorge, die keinem Risiko ausgesetzt werden darf. Daher vertritt die Gemeinde die Auffassung, dass die Suche nach unkonventionellem Erdgas in sensiblen Gebieten, wie zum Beispiel in Trinkwasser-Gewinnungsgebieten, untersagt werden muss.  

Die Front gegen das Fracking wird immer größer. Nach den diversen Stellungnahmen der Städte und Gemeinden findet am 5. Oktober 2012 eine öffentliche Expertenanhörung zum Thema „Fracking“ im Regierungspräsidium Kassel, Steinweg 6, statt. Vorher gibt es ab 9.00 Uhr eine Demonstration gegen das Fracking an gleicher Stelle. Nach den Anhörungen wird das Regierungspräsidium Darmstadt über den Antrag der Firma BNK Deutschland entscheiden. 

Hintergrund:   

„Fracking“ ist eine Methode der geologischen Tiefbohrtechnik. Durch das kontrollierte Einpumpen von Wasser, das mit Sand und Chemikalien versetzt ist, in 1.000 bis 5.000 Metern Tiefe werden Risse im Gestein erzeugt, die durch Quarzsand offen gehalten und stabilisiert werden. Ziel dieser Methode ist es, die Gas- und Flüssigkeitsdurchlässigkeit in der Gesteinsschicht so zu erhöhen, dass ein Abbau von Erdgas möglich ist. Die Bohrungen können Umweltprobleme hervorrufen, zum Beispiel wenn die eingesetzten Flüssigkeiten ins Grundwasser gelangen.   

Bei dem Antrag des deutschen Bergbaukonzerns handelt es sich zunächst um die „Claimabsteckung“ eines Untersuchungsgebietes, in dem in Schwarzschiefer gebundene Gase vermutet werden. Das Unternehmen sichert sich mit der Erlaubnis des Regierungspräsidiums Darmstadt die Rechte zum Aufsuchen und Erkunden von Schiefergas in diesem Bereich. Sollten sich dann im Erschließungsgebiet potentielle Stellen zur Ausbeutung der Erdgase ergeben, kann das Unternehmen diese Kohlenwasserstoffe unter Einsatz der Fracking-Methode fördern.