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21.07.2010

Eco Pfad ,,Bergbau in der Söhre" eröffnet

Eco Pfad „Bergbau in der Söhre“ eröffnet

"Die Eco Pfade im Landkreis Kassel sind ein Erfolgsmodell, das kreisweit immer mehr an Bedeutung gewinnt", stellt Vizelandrätin Susanne Selbert bei der Eröffnung des Eco Pfades "Bergbau in der Söhre" in Söhrewald fest. Der 14. Eco Pfad in der Region und der erste in Söhrewald informiert über die lange und spannende Bergbautradition in der Söhre. Selbert: "In der Söhre ist über viele Jahrhunderte Bergbau betrieben worden - eine besondere Rolle spielten dabei die Vorkommen an Kohle und Basalt". Der Bergbau habe die Dörfer in der Söhre geprägt und auch heute könne man noch viele Anlagen und Landschaftsveränderungen erkennen. Eine besondere Bedeutung für die Söhredörfer habe die Söhrebahn gehabt, welche die Menschen in der Söhre enger mit der Stadt Kassel verbunden hat, so die Vizelandrätin weiter.
 
Der neue Eco Pfad "Bergbau in der Söhre" ermöglicht eine Zeitreise in die Bergbaugeschichte der Region Kassel. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts wurde auf dem Gebiet der heutigen Gemeinde Söhrewald Braunkohle gefunden - bis in das Jahr 1967 wurde am Stellberg im Tagebau und unter Tage Kohle abgebaut. Der Eco Pfad führt vom Wanderparkplatz "Am Brand" über den Karlsstollen, in dem zwischen 1921 und 1930 rund 70.000 Tonnen Kohle abgebaut wurden. Von da aus geht es weiter zu einer der Seilbahntrassen, welche die Gruben mit der Söhrebahn in Wellerode verbanden. Auf dem Weg dorthin hat man - entsprechendes Wetter vorausgesetzt - einen weiten Ausblick auf das Kasseler Becken. Weiter führt der Eco Pfad zum Wiesenschacht, der größten Abbaufläche in der Söhre. Von dort führt ein Rundweg zum ehemaligen Tagebaugebiet, das nur drei Jahre betrieben wurde.
Seit 1967 füllte sich der offen gelassene Tagebau schrittweise mit Wasser: Der Stellbergsee entstand. Zurück zum Wiesenschacht und dann südlich des Stellbergs gelangt man zum Standort des Wattenbacher Kohlenwerks. Auf dem Weg dorthin bietet sich ein reizvoller Blick auf Wattenbach. Das Wattenbacher Kohlenwerk war bis 1907 in Betrieb - bis 1933 wurde in der Nähe noch weiter Kohle gefördert.
 
Selbert: "Der Bergbau in der Söhre ist natürlich nicht mit den Kohlerevieren an Ruhr und Saar zu vergleichen - die harte Arbeit der Bergleute und die Auswirkungen auf Natur und Landschaft lassen sich jedoch auch in einem eher kleinen Abbaugebiet anschaulich verdeutlichen". Deutlich werde auch, dass die Entwicklung der Söhregemeinden untrennbar mit dem Bergbau verbunden ist - das gilt auch für die Verkehrsinfrastruktur, welche die abgeschiedenen Dörfer schneller mit der Stadt Kassel verband, als es an anderer Stelle im Landkreis Kassel der Fall war.
Der Stellberg ist bereits heute ein beliebtes Wandergebiet - mit dem Eco Pfad Bergbau in der Söhre wird der Rundweg um den Stellberg durch spannende regionalgeschichtliche Informationen aufgewertet. "Zusammen mit der abwechslungsreichen Landschaft und den vielen Ausblicken in die Söhre und das Kasseler Becken besteht hier die Möglichkeit, mehr über die Region zu erfahren und eine Kulturlandschaft zu genießen", informiert die Vizelandrätin.
 
Wie die anderen Eco Pfade im Landkreis Kassel auch, will der Eco Pfad "Bergbau in der Söhre" Lust auf die Beschäftigung mit lokaler und regionaler Geschichte wecken. "Anhand der Informationstafeln kann man auf eigene Faust eine Zeitreise zu Fuß unternehmen und dabei sicherlich Neues entdecken", so Selbert weiter. Die Texte erläutern den aktuellen Kenntnisstand über die jeweiligen historischen Stätten und das dazugehörige geschichtliche Umfeld. Die Länge der Strecke ist so ausgelegt, dass sie in einem nicht zu langen Spaziergang bewältigt werden können. Selbert: "Für den rund 9,5 Kilometer langen Eco Pfad "Bergbau in der Söhre" benötigt man insgesamt rund 3 Stunden reine Gehzeit - man sollte sich aber ruhig mehr Zeit lassen, um die Zeitreise auch genießen zu können". In allen Söhrewalder Ortsteilen gibt es ausreichend Gelegenheiten für eine Einkehr nach der kulturgeschichtlichen Wanderung.
 
Selbert: "Ich bin sicher, dass sich der Eco Pfad zum Bergbau in der Söhre gut in das Konzert der Eco Pfade im Landkreis Kassel einfügen wird". Für die Gestaltung und Errichtung der Informationstafeln und der Wegweiser fallen für den neuen Eco Pfad Kosten in Höhe von rund 18.900 Euro an. Die Realisierung des Eco Pfades "Bergbau in der Söhre" wird vom Land Hessen mit rund 9.500 Euro unterstützt - den Restbetrag übernimmt die Gemeinde Söhrewald. "Im Vergleich zu anderen kulturgeschichtlichen Wanderwegen mit Informationstafeln und besonders gekennzeichneter Wegführung ist diese Summe eher niedrig ausgefallen, da wir auf die auf vorhandene Infrastruktur des Naturparks Kaufunger Wald zurückgreifen können," erläutert Selbert die Höhe der Investitionskosten.
 
Die nächsten archäologischen beziehungsweise kulturhistorischen Informationstafeln im Landkreis Kassel werden nach Auskunft der Vizelandrätin rund um Wolfhagen und in Fuldatal-Simmershausen - in der Planung sind weitere Eco Pfade in Zierenberg-Burghasungen, Oberweser-Gieselwerder, Grebenstein-Burguffeln, Baunatal-Guntershausen, Habichtswald, Helsa, Hofgeismar, Hofgeismar-Hümme, Kaufungen, Liebenau-Lamerden, Naumburg, Schauenburg, Helsa-St. Ottilien sowie Wahlsburg geplant. Außerdem übernimmt auch der Schwalm-Eder-Kreis das gute Beispiel aus dem Landkreis Kassel: Zum bereits bestehenden Eco Pfad Altenburg und Falkenstein soll noch ein Eco Pfad in Niedenstein-Kirchberg hinzukommen. "Die bisherigen ECO-Pfade werden gut angenommen und das große Interesse an weiteren Lehrpfaden zeigt, dass sich diese Initiative zum Erfolgsmodell entwickelt", so Selbert weiter.
 
Aktuelle Informationen über die Eco Pfade im Landkreis Kassel gibt es auch im Internet. Unter www.eco-pfade.de sind sämtliche Faltblätter der Eco Pfade im Kreis Kassel und seit 1. Juli auch die ersten drei Hörführungen zu Eco Pfaden zu finden. "Wir planen mit Unterstützung des Landes Hessen und der Kulturstiftung der Kasseler Sparkasse für den Landkreis Kassel Schritt für Schritt für alle Eco Pfade diese Hörführungen zu entwickeln und vielleicht kann man die Geschichte des Bergbaus in der Söhre auch bald auf diesem Weg näher kennen lernen", kündigt Vizelandrätin Selbert abschließend an.