Historische Schmiede im Regionalmuseum wieder in Betrieb - »Ein Glückstreffer!«
Ab ans heiße Eisen heißt es für Interessierte schon sehr bald am Regionalmuseum Kaufungen: denn die historische Schmiede neben dem Museum ist wieder nutzbar. Hobby-Schmied Matthias Hahn hat das in den 1980er Jahren aus Niederkaufungen translozierte Gebäude, das ab diesem Zeitpunkt einige Zeit als Schmiede genutzt wurde, wieder betriebsbereit gemacht.
Hahn war schon immer handwerklich begabt und kam zum Schmieden durch sein Ehrenamt im Mittelalterdorf Steinrode. Er war sofort Feuer und Flamme, nahm an Fortbildungen teil, las Bücher, schaute YouTube-Videos und tauschte sich mit anderen Schmieden aus, reiste zum Beispiel bis nach Schweden , um dort gemeinsam mit Kollegen Äxte zu schmieden.
Hahn wurde schließlich für das im Juli im Stiftshof stattgefundene Mittelalterfest als Schmied engagiert. Das ganze Wochenende hindurch konnten Interessierte bei ihm einen S-Haken schmieden. „Das ist immer das erste, was ich mit AnfängerInnen mache“, sagt Hahn. „So bekommt man ein gutes Gefühl für das Material.“
Regionalmuseumsleiter Hauke Homeier lernte Hahn in diesem Zusammenhang kennen und erkannte eine Chance: Er brachte die stillgelegte Schmiede am Regionalmuseum ins Gespräch. Hahn, der hauptberuflich als Testingenieur für Lokomotiven arbeitet, bot an, den historischen Ort wieder betriebsbereit zu machen. Und viel mehr als das: Ihn wieder mit Leben zu füllen. „Zukünftig werden hier Schmiede-Workshops angeboten“, erzählt Homeier. „Wir legen einen großen Wert auf die kulturellen Bildungsangebote des Museums im Sinne des lebenslangen Lernens.“ Diese Zusammenarbeit sei „ein Glückstreffer“, da sind sich Homeier und Hahn einig.
Die Schmiede-Workshops werden von Hahn ab Mitte September bis Ende November an allen Samstagen und Sonntagen angeboten. Jeweils von 9 bis 18 Uhr, in kleiner Runde: Vier Personen können sich pro Workshop über das Regionalmuseum anmelden. Für 120 Euro pro Kopf lernen sie die Werkstatt kennen, erlangen ein Grundverständnis für das Schmiedehandwerk und erleben den Prozess, der hinter einem einzigen geschmiedeten Objekt steckt. Denn der kann sich hinziehen – oft steckt viel Zeit und Kraft hinter den geschmiedeten Werken. Was Matthias Hahn wichtig ist: „Die Menschen, die dann zu mir in die Schmiede kommen, sollen unbedingt eigene Ideen mitbringen“, sagt er. Der Kreativität beim Schmieden seien keine Grenzen gesetzt und er wolle die Menschen dazu ermutigen, selbst aktiv zu werden, so Hahn. Informationen zu dem Workshop gibt es hier.
Der Auftakt der neu belebten Schmiede wird zur Museumsnacht am 6. September stattfinden. Ein vielfältiges Programm wird sich im und um das Regionalmuseum abspielen. Mittendrin: Matthias Hahn am Amboss.
Zur Geschichte der Schmiede am Regionalmuseum
Die Fachwerkscheune befand sich in Niederkaufungen und sollte abgerissen werden. Sie wurde 1986 von 15 arbeitslosen Jugendlichen zwischen 17 und 22 Jahren mit Unterstützung von zwei technischen Betreuenden und unter sozialpädagogischer Betreuung neben dem Regionalmuseum wiederaufgebaut. Diese Idee, mithilfe einer Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für junge Menschen ohne Ausbildung das Projekt der Translozierung der Scheune zu verwirklichen, stammte aus dem Kaufunger Rathaus, damals mit Gerhard Iske im Amt des Bürgermeisters.
Die Jugendlichen und jungen Erwachsenen hatten bei 30 Wochenstunden praktischer sowie 10 Wochenstunden theoretischer Arbeit die Möglichkeit, handwerkliche Grundlagen zu erlernen und erhielten anschließend Anrecht auf Arbeitslosenhilfe.