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09.12.2015

Uniprojekt Nachhaltiges Kaufungen

Uniprojekt untersucht Nachhaltigkeit Kaufungens in den Bereichen Energie, Ernährung und Soziales

 

„Kaufungen orientiert sich in vielen Bereichen nachhaltig und treibt die Energiewende durch das Engagement lokaler Initiativen voran“, zu diesem Schluss kommt eine Projektstudie der Universität Kassel, deren Ergebnisse kürzlich im Kleinen Saal des Kaufunger Bürgerhauses vorgestellt wurden. Annika Schmitt, Robin Sievert und Sven Lämmerhirt, Soziologie-Studenten der Universität Kassel, beschäftigen sich seit zwei Semestern im Rahmen eines Forschungsseminars mit der Frage: „Wie nachhaltig ist Kaufungen?“. Dabei haben die Studenten Befragungen, Leitfadeninterviews und Ortsbegehungen durchgeführt und die Bereiche dezentrale und regenerative Energieversorgung, Perspektiven der älteren Generation und regionale Ernährung in Kaufungen näher untersucht. Sie kamen zu dem Ergebnis, dass die allgemeine Zufriedenheit der befragten Personen in punkto Mobilität, Ärzteversorgung und Einkaufsmöglichkeiten sehr hoch ist.

 

Für ihre Untersuchungen haben die Studenten insgesamt 400 Fragebögen in Kaufungen verteilt. „Nach dem Random-Route-Verfahren haben alle Häuser mit der Hausnummer 3 und 6 einen Fragebogen erhalten“, erklärte Robin Sievert vor knapp 40 interessierten Zuhörern. Dabei wurde unter anderem nach der allgemeinen Zufriedenheit mit der Ärzteversorgung, mit Einkaufsmöglichkeiten, Pflegeversorgung, Mobilität, Soziales und nach Freizeitangeboten in Kaufungen gefragt. Von den knapp 90 beantworteten Fragebögen gaben 44 Personen an, zufrieden mit der Mobilitätssituation in Kaufungen zu sein. Ausschlaggebend waren dabei insbesondere die Punkte, Zentralität, Straßenführung und Tram-Anbindung. Als Gründe für den Zuzug nach Kaufungen gaben die meisten der Befragten an, wegen der guten Infrastruktur und der hohen Lebensqualität in die Lossetalgemeinde gezogen zu sein.

 

In punkto ökologische Nachhaltigkeit gaben 91 Prozent der befragten Personen an, einen eigenen Garten zu besitzen. Knapp die Hälfte nutzen diesen auch für Gemüse- und Obstanbau. „Es wäre wünschenswert, wenn mehr Kaufunger Bürger den heimischen und regionalen Anbau von Gemüse im eigenen Garten betreiben würden“, resümierte Studentin Annika Schmitt. Die Gründe dafür lägen auf der Hand: „Man kann den eigenen Anbau kontrollieren, hat nur geringe Transportwege, stärkt die Resilienz und bewahrt Wissen.“

 

In punkto Engagement kamen die Kaufunger gut weg: 50 Prozent der Befragten gaben an, in Vereinen oder Verbänden aktiv zu sein. Dabei zeigte sich, dass die Teilnahme am Vereinsleben gleichmäßig über alle Altersgruppen hinweg verteilt ist. Lediglich die Aktivität in politischen Parteien ist mit 4 von 88 Personen auffallend gering. Positiv zu bewerten in Hinblick auf die Nachhaltigkeit ist auch die Kaufunger Stiftsweihnacht, die im vergangenen Jahr von den Studenten näher unter die Lupe genommen worden ist. Mit einer Totalerhebung wurden alle Ständebetreiber nach der Herkunft ihrer Produkte und ihrer Transportwege befragt. Dabei kam heraus, dass die durchschnittliche Entfernung der Hersteller und Ständebetreiber nach Kaufungen 35 Kilometer beträgt. „Das ist ein positives Ergebnis“, erklärte Robin Sievert. Es gebe keine langen Transportwege und auch das Essensangebot auf der Stiftsweihnacht sei größtenteils nachhaltig angelegt.

Gut aufgestellt ist Kaufungen auch in punkto Energie: Sven Lämmerhirt kam mit Befragungen und Interviews zu dem Ergebnis, dass der Ausbau von regenerativen Energien in Kaufungen vorangetrieben wird, insbesondere durch die gute Vernetzung von Bürgerinitiativen, Energiegenossenschaft und Gemeindeverwaltung. Es zeichne sich ein Trend zur dauerhaften Energieeinsparung ab, sagte Sven Lämmerhirt. Positiv zu bewerten sei auch die demokratische Gestaltung der Energieversorgung durch das neu gegründete Gemeindewerk Kaufungen. Hier gaben 72 der befragten Personen an, das Gemeindewerk zu kennen. „Aber nur 16 der Befragten haben bislang zum Gemeindewerk gewechselt“, erklärte der Student. Obwohl der Kundenstamm des regionalen Energieanbieters stetig steige, gebe es hier Verbesserungspotenzial.