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Die Energiekrise beschäftigt Kaufunger Bürger*innen

Aus aktuellem Anlass standen die Herausforderungen auf dem Energiemarkt sowie der Umgang der Verbraucher*innen mit dieser angespannten Lage im Mittelpunkt des zweiten Bürgerabends zum Bürgerhaushalt 2023. Bürgermeister Arnim Roß konnte rund 60 Interessierte im großen Saal begrüßen: „Unsere Sicht der Welt ändert sich und neue Perspektiven drängen sich in den Vordergrund. Wir alle spüren, dass die eigenen Lebensbereiche von den Ereignissen und Folgen rund um den Ukraine-Krieg direkt betroffen sind, unter anderem weil Energie knapp und teuer wird.“ Was bedeutet dies für die Menschen in Kaufungen? Wie sieht die Versorgungslage in unserer Region aus? Was können wir tun – in der Politik, aber auch selbst zuhause? Diese und weitere Fragen stellen sich zurzeit viele Bürger*innen. Drei Fachreferenten waren an diesem Abend eingeladen, um in intensiven und kurzweiligen Vorträgen wichtige Informationen zu vermitteln sowie die Thematik gemeinsam mit den Besucher*Innen zu diskutieren.
Roland Heibert von der Städtische Werke AG aus Kassel, der neben der Leiterin der Kaufunger Finanzverwaltung, Susanne Schmidt-Osterberg, Geschäftsführer des Gemeindewerks Kaufungen ist, gab zunächst einen Einblick in das Energieversorgungsunternehmen Kaufungens. Dieses wurde vor acht Jahren gemeinsam von der Gemeinde und den Städtischen Werken Kassel mit dem Ziel gegründet, die Stromnetze zu rekommunalisieren und wieder in Gemeindeeigentum zu überführen. Dadurch soll das Klimaziel der vollständigen Versorgung mit erneuerbarer Energie unterstützt werden. Losse-Strom sollen dabei möglichst viele Kaufunger*innen mit sauberem Strom Gas versorgen. „Die Kundenzahlen zeigen, dass zunehmend mehr Einwohner*innen dieses Projekt unterstützen“, so Roland Heibert. Das besondere Augenmerk des Gemeindewerks liege auf der Netzertüchtigung und dem Netzausbau, denn das Stromnetz hat bei der Energiewende und der Versorgungssicherheit eine besondere Bedeutung. Weiterhin stellte Heibert die von der Bundesregierung initiierten Hilfen in der aktuellen Energiekrise vor. Um die Haushalte finanziell zu entlasten, hat der Bundesrat Mitte November grünes Licht für die sogenannte Soforthilfe gegeben. Das Gesetz sieht eine Übernahme der Abschlagszahlung von einem Zwölftel des Jahresverbrauchs im Dezember vor. Des Weiteren soll die sogenannte Gas- und Strompreisbremse ab 01. März 2023 umgesetzt werden. Danach sollen 80 Prozent des zu zahlenden Gas- und Strompreises gedeckelt werden, die Differenz zum tatsächlichen Energiepreis übernimmt der Staat. Für jede Kilowattstunde, die darüber hinaus verbraucht wird, zahlen die Kunden den regulären Energiepreis.

Im Anschluss zeigte Eike Weldner, Geschäftsführer von Städtische Werke Netz + Service GmbH die Anbindung Kaufungens an die Netzinfrastruktur auf: „Kaufungen verfügt über eine sichere Netzanbindung, die es ermöglicht, dass der vor Ort durch zum Beispiel Windkraftanlagen erzeugte Strom hier lokal verbraucht wird.“ Im weiteren Verlauf beschäftigte sich Weldner mit der Frage der hohen Strompreise. Da Strom zu einem großen Anteil auch in Gaskraftwerken erzeugt wird, sei der erhöhte Gaspreis auch hier relevant. Zusätzlich transferiere Deutschland Strom aus dem deutschen Netz nach Frankreich, wo aufgrund von Instandsetzungsarbeiten an mehreren Atomkraftwerken akute Versorgungsprobleme zu verzeichnen sind. Durch diese Lieferungen soll die Stabilität des Stromnetzes innerhalb des europäischen Versorgungsverbundes aufrechterhalten werden.

Die Frage nach eventuellen Blackouts beantwortete Weldner vorsichtig optimistisch: „Auch wenn es theoretisch nicht ausgeschlossen werden kann, ist es nicht überwiegend wahrscheinlich, dass es zu Blackouts kommt.“ Mögliche Szenarien würden regelmäßig unter anderem mit der Hessischen Energieaufsicht betrachtet.

Über Möglichkeiten der dezentralen Erzeugung erneuerbarer Energien, die unabhängiger von weltweiten Lieferketten machen, informierte Lars Rotzsche, Geschäftsführer der Windpark Stiftswald GmbH & Co. KG. Einen wichtigen Beitrag leisteten hier auch die neun Windenergieanlagen in Kaufungen. Zu diesem Beteiligungsmodell gehören 12 Gesellschafter, unter anderem die Gemeinde Kaufungen sowie die EnergieGenossenschaft Kaufunger Wald eG. Rotzsche verwies auf die Planungen zu Beginn des Projekts und zog eine positive Bilanz: „Die Erträge des Windparks im Stiftswald sind besser als die Prognosen, zirka 27.000 Vier-Personen-Haushalte werden durch die erzeugten Kilowattstunden versorgt.“ Abschließend ging Herr Rotzsche auf die vorgesehene Planung von drei zusätzlichen Windkraftanlagen ein und beantwortete Fragen aus dem Publikum.

Mit Bezug zum aktuellen Thema Energiekrise stellte Bürgermeister Arnim Roß die Eckdaten zum Kaufunger Gemeindehaushalt 2023 vor und erläuterte die Auswirkungen der Situation auf den Haushalt. „Der Ukrainekrieg führt zu starken Belastungen und die Lage ist schwer zu kalkulieren. Trotz dieser angespannten Lage sind wir jedoch gut gerüstet. Aus unseren Rücklagen können wir in den nächsten Jahren unseren Haushalt ausgleichen und kommen voraussichtlich aus eigener Kraft durch diese Krise.“