Seiteninhalt
23.09.2025

"Nach Sieben im Rathaus": Wenn das Licht im Rathaus nicht ausgeht, sondern an

Was passiert eigentlich im Kaufunger Rathaus, wenn die Türen für die Öffentlichkeit längst geschlossen sind? Wer sind die Menschen, die nach Feierabend über Straßenbau, Betreuungseinrichtungen und Zukunftspläne der Gemeinde diskutieren – und warum tun sie das überhaupt

Diese und viele weitere Fragen standen im Mittelpunkt der Veranstaltung „Nach Sieben im Rathaus“, die am vergangenen Dienstagabend im Kleinen Saal des Bürgerhauses stattfand. Eingeladen hatte die Koordinierungsstelle „Engagiert in Kaufungen“, um vor allem eines zu tun: Lust auf Kommunalpolitik zu machen – und das mit Blick auf die kommende Kommunalwahl im März 2026.

Rund 50 interessierte Bürgerinnen und Bürger nutzten die Gelegenheit, hinter die Kulissen der kommunalen Entscheidungsprozesse zu blicken. Begrüßt wurden sie von Katharina Reinhold, Koordinatorin für Bürger*innenbeteiligung, die durch den Abend führte. In einem Auftaktgespräch mit Bürgermeister Arnim Roß ging es gleich zur Sache: Welche Themen beschäftigen die Politik und Verwaltung aktuell?
„Ein Blick auf die Tagesordnung der nächsten Gemeindevertretersitzung reicht“, so Roß, der unter anderem den Gemeindehaushalt 2026, den Bau des Multifunktionsgebäudes am Lossetalstadion sowie den kommunalen Wärmeplan als aktuelle Schwerpunkte nannte. Auch klassische Dauerbrenner wie Verkehrsentwicklung und Betreuungsausbau seien stets präsent. Der Verwaltungschef betonte dabei, wie wichtig der direkte Draht zwischen Bürgerschaft und Politik sei: „Wer Ideen hat, sollte sie mitteilen – entweder in meiner Bürgersprechstunde oder direkt über die gewählten Gemeindevertreterinnen und Gemeindevertreter. Einige der besten Projekte sind so entstanden.“

Wie wird man eigentlich Gemeindevertreterin oder Gemeindevertreter? Diese Frage beantwortete Karl Hellmich, seit 1999 Vorsitzender der Gemeindevertretung. Seine Botschaft: „Jetzt ist der perfekte Zeitpunkt, um aktiv zu werden.“ Die Parteien bereiten derzeit ihre Wahllisten vor – und suchen engagierte Menschen. Eine Parteimitgliedschaft ist dabei keine zwingende Voraussetzung. „Wer Lust hat, sich einzubringen, sollte einfach Kontakt aufnehmen“, so Hellmich.

Was treibt Menschen an, sich kommunalpolitisch zu engagieren? Diese Frage wurde im weiteren Verlauf des Abends von aktiven Gemeindevertreterinnen und -vertretern in kurzen persönlichen Beiträgen beantwortet.
Erwin Schmidt, Fraktionsvorsitzender der CDU, erinnerte sich an emotionale Debatten über die Einzelhandelsentwicklung in Kaufungen und die große Bedeutung dieser Entscheidung für die Zukunft des Ortes.
Für Rolf Müller (KWG) ist die Weiterentwicklung des Kaufunger Stadtmarketings eine Herzensangelegenheit. Melanie Busch von der GLLK findet es wichtig, dass auch jüngere Frauen im Gemeindeparlament vertreten sind und ihre Perspektiven einbringen. Jochen Lody von den Grünen betonte, wie wichtig eine gute Planung von Baumaßnahmen für die Gestaltung der Gemeinde ist. Reinhard Fehr von der SPD brachte es auf den Punkt: „Ich finde, Mähren hilft nichts – deshalb engagiere ich mich, damit Dinge konkret besser werden.“

Rathausführung und persönliche Gespräche

Nach dem offiziellen Teil öffneten sich die Türen zu den Schaltzentralen der Kunigundengemeinde – und luden die Gäste zu einem besonderen Rundgang ein: durch das Rathaus, den Bauhof und das Jugendzentrum. Wo sonst Entscheidungen getroffen, Anträge geprüft oder Baupläne gewälzt werden, konnten Interessierte nun einmal ganz ungezwungen hinter die Kulissen blicken.

Zu entdecken gab es einiges: Etwa den Sitzungssaal, in dem die Weichen für die Zukunft der Gemeinde gestellt werden – oder die Arbeitsplätze der Gemeindekasse, des Bauamts oder des Bürgermeisters. Letzterer berichtete mit einem Augenzwinkern, dass sein heutiges Büro einst als Sitzungssaal des Gemeindevorstandes diente. Und: Hinter einer unscheinbaren Wand verberge sich sogar noch ein altes Kunstwerk – ein stummer Zeitzeuge aus vergangenen Jahrzehnten, überbaut bei der letzten Rathaussanierung.

Für staunende Gesichter sorgte insbesondere das Jugendzentrum, dessen einladende Räumlichkeiten auf große Zustimmung stießen. „Ich war noch nie im Jugendzentrum – das ist wirklich sehr gemütlich und geschmackvoll gestaltet. Da möchte man glatt nochmal jung sein“, bemerkte eine Besucherin lächelnd.

Engagieren? Ja, unbedingt!

Wer sich nach dieser Informationsveranstaltung fragt, ob Kommunalpolitik etwas für einen selbst sein könnte und ob es sich lohnt, dort mitzuarbeiten, hat spätestens an diesem Abend eine klare Antwort bekommen: Ja, unbedingt!