Ein geschützter Raum für Frauen: Workshop für engagiertes Auftreten
Vor vielen, womöglich fremden Menschen sprechen und seinen Standpunkt vertreten: Ob im Verein, Elternbeirat oder in der Politik – solche Situationen, in denen schnell mal Lampenfieber aufkommt, kennen wir vermutlich alle. In der Begegnungsstätte fand jetzt einer von zwei aufeinander aufbauenden Workshops statt, der sich mit engagiertem Auftreten im Ehrenamt oder vergleichbaren Situationen beschäftigte und von der Koordinierungsstelle „Engagiert in Kaufungen“ organisiert wurde.
Die Veranstaltung wurde speziell für Frauen angeboten. Katharina Reinhold von der Koordinierungsstelle „Engagiert in Kaufungen“ sagte: „Für ein gelingendes demokratisches Miteinander ist es wichtig, dass Stimmen aller gesellschaftlichen Gruppen zu hören sind.“ Sie und die Politologin und Erwachsenenbildnerin Christiane Eiche, die den Workshop anleitete, freuten sich über die 15 Teilnehmerinnen und dass ihr Konzept Anklang fand. „Wir wollen heute einen geschützten Raum für Austausch schaffen und uns gegenseitig stärken“, so Reinhold.
65 Prozent der Vorstandspositionen in Vereinen in Deutschland sind mit Männern besetzt. Eine Zahl, die Fragen aufwirft. Christiane Eiche zeigte mögliche Gründe dafür auf: Frauen verzichten zum Beispiel öfter auf diese zeitaufwändigen Führungspositionen, da sie familiär stärker gefordert sind, etwa in der Kinderbetreuung oder der Pflege Angehöriger. Es bestehe eine Unvereinbarkeit von Beruf, Care-Arbeit und einem zusätzlichen ehrenamtlichen Engagement, so Eiche. „Das sind strukturelle Probleme, die aus geschlechterstereotypen Rollenbildern resultieren“, findet sie.
Die Gründe für die Unterrepräsentierung von Frauen in Führungspositionen, nicht nur in Ehrenämtern, sind vielschichtig. Um die Teilnehmerinnen und ihre persönlichen Geschichten kennenzulernen, gab Christiane Eiche die Frage in die Runde „Was hält mich ab, mich ehrenamtlich zu engagieren?“ Dazu sollten innere und äußere Faktoren notiert werden. Die Ergebnisse wurden gemeinsam besprochen.
Die äußeren Faktoren zeigen ein klares Muster: „Keine Zeit“ war eine häufige Antwort. Ob Arbeitsstelle, Familie oder sonstige Verpflichtungen – vielen fehlt schlichtweg die Zeit, um sich zusätzlich zu engagieren. Die inneren Faktoren beleuchteten die Gefühlswelt der Teilnehmerinnen: „Unsicherheit“ oder „Angst“ wurde in verschiedenen Variationen genannt. Denn: Etwas Neues anzufangen ist eine Überwindung. Dazu braucht es Mut. „Man wächst mit seinen Aufgaben“, weiß eine Teilnehmerin zu sagen, die ohne Vorerfahrung einen Vereinsvorsitz übernommen hat und sich gegen so manche alteingesessene Struktur behaupten musste. In der offenen Runde entstand ein Austausch, Probleme wurden benannt und persönliche Erfahrungen geteilt.
Anschließend wurden die Teilnehmerinnen aufgefordert, ihre Stärken zu notieren und in einer kleinen Gruppe zu präsentieren. Mancher Teilnehmerin fiel das sichtlich schwer – aber auch hier bestärkten sich die Frauen gegenseitig und am Ende konnte jede Teilnehmerin mindestens drei eigene Stärken benennen. Von Empathie bis Offenheit oder Kommunikationsstärke waren viele positive Eigenschaften dabei, die nicht nur den Alltag oder das Berufsleben, sondern auch ehrenamtliches Engagement stark bereichern können.
Als „Hausaufgabe“ gab Christiane Eiche den Teilnehmerinnen, sich die Fragen nach den eigenen Werten und gewünschten Themen in Bezug auf ihr (gewünschtes oder tatsächliches) Ehrenamt in der Kunigundengemeinde zu stellen, sich auf ihre Stärken zu konzentrieren und zu überlegen, wie sie diese gezielt in ihrem Engagement umsetzen können. Diese Überlegungen werden dann im zweiten Teil des Workshops in der Gruppe präsentiert. Gemeinsam wird Feedback gegeben, ob die Teilnehmerin mit Gestik, Mimik und Körperhaltung überzeugen konnte und in welchen Bereichen sie ihre Potenziale noch stärker nutzen könnte.
Der Workshop enthielt neben sachlichen Informationen und anregendem Input einige praktische Übungen, die in einem geschützten Raum und wohlwollendem, respektvollem Miteinander erfolgreich umgesetzt wurden. Zum Abschluss beschrieb jede Teilnehmerin mit einem Adjektiv, wie sie aus diesem Workshop herausgeht: „Gestärkt“ und „Erfüllt“ war dabei häufig zu hören.